Klaus-Dieter Seidel
Informationen zur Lehrkraft
Als Kunstvermittler und ehemaliger Galerist ist es für mich schon immer eine der wichtigsten Aufgaben, Brücken des Verständnisses und der Verständigung zwischen den in der bürgerlichen Gesellschaft als elitär empfundenen Künstlern und denjenigen zu bauen, die ja eigentlichen die Adressaten von Kunst sein sollten, dem Publikum.
Für eine erfolgreiche Verständigung ist es allerdings unverzichtbar, dass die Sender von Informationen die Empfänger genau kennen, da deren Informationsbedürfnisse, Vorwissen und Erwartungen stark variieren können. Aber die Fähigkeit oder die
Bereitschaft vieler Künstler, sich dem breiten Publikum anzupassen, ist oft sehr gering oder sogar programmatisch unerwünscht. Und auf der Seite des Publikums sorgte schon immer eine hauptsächlich am Broterwerb ausgerichtete Bildungs- und WerteRealität für einen Mangel an Verständnis für die als verschlüsselt wahrgenommenen Qualitäten und Botschaften „elitärer“ Kunst.
Diese Kluft zu überbrücken, ohne der großartigen Kunst ihre kreative Potenz und unangepasste Kraft zu rauben, gelingt am besten, wenn man dem wirklich interessierten Publikum, also denjenigen, die von sich aus schon bereit sind zu verstehen, die Gelegenheit dazu gibt. Allein schon zu vermitteln, dass es ganz verschiedene Wege geben kann, sich einem Kunstwerk zu nähern, schafft neue Möglichkeiten, sich der Kunst zu öffnen. Wenn dann noch ein Instrumentarium zur Entschlüsselung der „versteckten“ Inhalte eines Kunstwerks und zur angemessenen Würdigung seiner ästhetischen Qualität hinzukommt, dann kann der Brückenbau gelingen.
Ein aufnahmebereites Publikum für Kunst zu finden oder gar durch ein unterhaltsames und interessantes Angebot neu hinzuzugewinnen, verstehe ich daher als meine wichtigste Aufgabe.
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